Werberin des Jahres
Frauenpower: Regula Fecker von Rod Kommunikation ist die neue Werberin des Jahres.
WW: Vor einem Jahr war Rod bereits Newcomer-Agentur des Jahres. Jetzt stellt Rod die Werberin des Jahres. Was steckt hinter soviel Erfolg?
Regula Fecker: : Wir sind wohl vor allem überrascht, wie schnell sich alles entwickelt hat. Unsere Agentur gibt es erst seit zweieinhalb Jahren, es scheint manchmal verrückt, was in der kurzen Zeit alles passiert ist. Aber wir sehen das Ganze auch ein wenig aus der Position des erstaunten Beobachters: Unsere Agentur liegt in einem Wohnquartier, direkt neben einer Kirche auf einem Hügel, von dem aus man über die ganze Stadt sieht. Wir leben schon in einer eigenen Welt, das lässt uns die Erfolge aus einer gesunden Aussenseiter-Position betrachten.
WW: Was macht Rod anders als andere Agenturen?
Regula Fecker: Durch unsere recht bescheidene Grösse und unser Commitment zur absoluten Neutralität können wir auswählen, mit wem wir arbeiten, das betrifft sowohl Kunden, Mitarbeiter wie Agenturpartner. Dieses Privileg gibt uns eine grosse Freiheit in der täglichen Arbeit für unsere Kunden, die wir in vollen Zügen ausleben. Kaum ein Monat vergeht, in dem nicht jemand in unserem Team eine Idee hat, deren Umsetzung uns komplett überfordert. Und uns darum grenzenlos reizt. Und so soll es auch sein.
WW: Gibt es einen «Rod-Stil»?
Regula Fecker: Ja, ich denke schon. Wenn auch eher ein inhaltlicher Stil, kein formaler. Die Erwartungen der Kunden an Rod sind das, was unseren Stil zusammenhält: besser gedacht, besser gemacht. Unsere Kampagnen basieren in der Regel auf einem Insight, den wir wochenlang gejagt haben, einfach und unkompliziert umsetzen, neu und ungesehen verpacken und medial richtig denken. Darüber hinaus sind die meisten unserer Kampagnen nicht bereits bei der ersten Schaltung abgeschlossen, sondern beginnen erst nach der Lancierung aufwendig zu werden. Denn wer zum Beispiel etwas ins Facebook reinschreit, muss sich nicht wundern, wenn einer zurückschreit. Und darum gehts ja auch bei Kommunikation. Die laufende Kampagnenpflege hat bei uns darum System. Das Problem bei diesem Stil ist einfach, dass man bei jeder Aufgabe bei Null beginnt, jeden Stein umdrehen muss, keine Rezepte aus der Schublade zaubern kann und in der Kampagnenpflege immer dran bleiben muss. Aber das macht den Job ja auch spannend. Einfach ein wenig aufwendig.
WW: Rod gibt es erst seit zweieinhalb Jahren: Seht Ihr Euch als die Vertreter einer neuen Agentur-Generation?
Regula Fecker: Unsere Agentur wurde in die grösste Wirtschaftskrise hineingeboren. Für uns ist die Situation, mit Ressourcen sinnvoll umzugehen, einfach natürlich. Darum empfinden wir unsere Grösse, oder Kleine, auch als unsern Vorteil: Wir müssen nicht alle Disziplinen intern abdecken, um sie umsetzen zu können. Wir müssen nur im richtigen Moment mit den richtigen Partnern arbeiten können. Dieser schlanke Apparat macht uns unerpressbar und frei.
WW: War es schwierig, als Newcomer das Vertrauen der Kunden auch für die ganz grossen Budgets zu gewinnen?
Regula Fecker:
Ich glaube, der Umstand, dass Oliver Fennel, David Schärer und ich schon seit Jahren zusammenarbeiten, grosses Vertrauen zueinander haben und uns sehr mögen, spüren die Kunden schon beim ersten Gespräch. Wir sind in der Diskussion untereinander immer ehrlich und direkt, auch vor und mit Kunden. Darum trauen uns auch viele Kunden zu, neue Wege miteinander zu gehen. Davon konnten wir schon von Beginn weg profitieren, mit Ikea, Sanitas und 20 Minuten, unseren Kunden der ersten Stunde. Dafür sind wir sehr dankbar, denn der Start hätte auch durchaus anders verlaufen können. Man darf aber auch ganz ehrlich sagen, dass unser ganzes Team für den Erfolg krüppelt, denn bequem ist es einfach nie, wenn man sich neu in einem Markt behaupten muss. Darum grossen Dank an Andrea, Angi, Christian, Dino, Donovan, Ferdi, Maurus, Meg, Michi, Mirjam, die Petras, Rachel, Sascha und Susanne. Und natürlich David und Oli.
WW: Welche Umstände haben Euch beim Aufbau der Agentur am meisten geholfen?
Regula Fecker:
Der Zeitpunkt für unseren Start war einfach perfekt: Noch nie waren so viele Kunden offen dafür, neue Wege zu gehen. Wobei wir keine neue Lösungen vorschlagen, nur um etwas Neues zu wagen. Unsere Kunden schätzen es, dass wir Konsumentenverhalten detektivisch gründlich untersuchen und aus diesen Analysen relevante Schlüsse für eine Kommunikationslösung, die funktioniert, ziehen können. Das Timing für unser Angebot und unsere Aufstellung war einfach richtig.
WW: Rod ist sehr schnell gewachsen. Wie seid Ihr als Kreative mit diesen plötzlich neuen Management-Aufgaben umgegangen?
Regula Fecker: So viel müssen wir zum Glück nicht managen, denn das tun unsere Mitarbeiter in der Regel sehr autark. Für uns war es aber vor allem eine Umstellung, alles selber entscheiden zu dürfen. Was einen manchmal etwas fordert. Ich denke immer wieder, dass es einfach ein Glück ist, dass ich das nicht alleine machen muss, sondern zwei gleichberechtigte Partner habe, mit denen ich ein Büro teile und auf zwei Meter Dis-tanz sitze. Egal, was anfällt, ob ein Mitarbeiter eine Fragehat hat, eine Pitch-Teilnahme entschieden werden muss oder wir mit den lieben Behörden in Kontakt sind, wir tauschen uns einfach direkt aus und entscheiden schnell. Diese Direktheit und Schnelligkeit ermöglichen es uns drei Partnern auch, uns den Grossteil unserer Zeit unserem Kreativprodukt zu widmen und nicht nur noch zu managen. Das macht die Arbeit erfüllend, wenn man das tun kann, was man auch wirklich gut kann.
WW: Rod hat drei gleichberechtigte Partner. Gilt das auch für die Kompetenzen und Aufgaben, oder wie sind diese im Alltag verteilt?
Regula Fecker: Im Alltag haben David, Oli und ich natürlich unterschiedliche Schwerpunkte, David im Bereich PR, Oli Kreation und ich Strategie. Wobei es keine Grenzen gibt, wo wir uns gegenseitig einbringen. Gerade in der Kampagnenentwicklung disktutieren wir im erweiterten Team grundsätzlich alle so lange, bis alle zuversichtlich sind, die beste Lösung gefunden zu haben. Danach teilen wir uns wieder in die einzelnen Rollen auf. Das macht die Entwicklung einer Kampagne extrem diskussionsintensiv, dafür stimmt die Lösung aber am Ende, und alle wissen, was zu tun ist. Anders ist meiner Meinung nach Integration auch gar nicht lösbar.
WW: Gehört Regeln-brechen für Rod zur Norm?
Regula Fecker: Ja, ich glaube schon, aber nicht aus einem pubertären Prinzip, sich immer konträr zum Markt bewegen zu wollen, sondern einfach, weil es je nach Aufgabe, Ziel und Zielgruppe einfach Sinn macht, neu zu denken. Oder, gemäss Albert Einsteins Definition von Wahnsinn: «Insanity means doing the same thing over and over again and expecting different results.»
WW: Gab es auch mal Knacknüsse oder gar Rückschläge in der Entwicklung zu verdauen?
Regula Fecker: Nein, richtige Rückschläge hatten wir bis jetzt noch keine zu verdauen, und ich hoffe, das bleibt auch noch eine Weile so. Was manchmal etwas an der Substanz zehrt, ist die viele Arbeit, die wir alle investieren. Aber wir sind ja selber schuld: Wenn uns eine Aufgabe reizt, können wir einfach nie nein sagen.
WW: Alle drei Gründer haben in jungen Jahren mindestens sechs Jahre bei Jung von Matt gearbeitet. Seht Ihr euch heute als nur ausgezogene oder auch als ungezogene Kinder?
Regula Fecker: Wir sind alle dankbar für die Lehrjahre bei Jung von Matt, wo wir zu dem werden durften, was wir heute sind. Jung von Matt hat uns die Grundlage geboten, uns kennenzulernen, ein gemeinsames Kommunikationsverständnis zu entwickeln. Gepaart mit unseren eigenen Werten, Interessen und Ideen ist aber in den vergangenen zweieinhalb Jahren mit Rod definitiv etwas Eigenes entstanden. Wir sind ausgezogen, schauen aber sehr gerne zurück.
WW: Wohin soll die Entwicklung von Rod in Zukunft hinführen?
Regula Fecker: Wir wollen uns noch konsequenter zu einem High-Tech-Labor für neue Kommunikationswege und -lösungen entwickeln. Frei gedachte Kampagnen, welche auf einem Insight aufbauen und einen Zeitgeist treffen. So wie «Slow down. Take it easy», um ein eigenes Beispiel zu nennen. Ich wünsche mir, dass wir dabei nie so etabliert und eingesessen werden, dass wir bewährte Rezepte immer wieder nachkochen. Sondern uns auch weiterhin getrauen, neue Methoden, Zutaten, Geschmäcker und Optiken zu nutzen, entwickeln oder kombinieren – um es mal gastronomisch auszudrücken. Wenn wir dabei auch noch eine Firma bleiben, bei der man gerne arbeitet, dann wäre das sehr schön.
WW: Was macht der neuen Werberin der Jahres heute am meisten Spass an der Werbung?
Regula Fecker:
Dass alles möglich ist.
Interview: Andreas Panzeri
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